Wer den Flieder kostet, der weiß, wie Liebe schmeckt

Flieder ist giftig. In Teilen zumindest. Dennoch kann man ganz köstlichen Fliederblütensirup daraus machen. Für die Pop-Formation Pirschheidi aus Potsdam verkörpert der Flieder die Liebe.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass die charmante Truppe um Frank Heck und Torsten Kuhn ihn zum Thema ihrer Debüt-Single machten:

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Gleich fünf genreübergreifende Mix-Versionen liefern sie ab. “Ich will den Flieder kosten” ist eine himmlisch leichte und dennoch bittersüß angehauchte Produktion, in der sich alles um unerwiderte Liebe und die konträre Leichtigkeit und Gelassenheit des Seins über den Dächern einer Großstadt dreht. Die Protagonistin ergibt sich dem Charme ihres Schwarms und widersteht dennoch der Versuchung, sich ihm vollends zu opfern. Stattdessen genießt sie den sonnigen Augenblick und belässt es bei der liebevollen Wunschvorstellung – über den Dächern der Stadt.

Ist möglicherweise ein Bild von 1 Person, Dirndlrock und Text „Pirschheidi Ich will den Flieder kosten“

Bereits mehrfach stießen die “Pirschheidis” (Frank Heck, Torsten Kuhn, Klaus Carpendale und Pirschkaty) mit ihren ernstzunehmenden Remix-Versionen in die deutschsprachige Musikszene vor. Unter anderem beeindruckten sie mit einer energiegeladenen Deep-Fox-Version des Titels “Du” von Alexander Knappe. Doch der große Durchbruch blieb ihnen bisher verwehrt. Ob sich das mit ihrem ersten eigenen Baby “Ich will den Flieder kosten” ändert, steht in den Sternen. Aber eines ist sicher: der Frühling fängt gerade erst an.

Wenn der weiße Flieder wieder blüht

Freut ihr euch auch so auf die Fliederblüte ab Mai? Und wusstet ihr, dass die bekannteste Komposition von Franz Doelle dieser Slow-Fox-Hit aus dem Jahre 1928 ist: “Wenn der weiße Flieder wieder blüht”? Na? Habt ihr die Melodie im Kopf?

“Wo kommen die Träume her?” – Die Welt in Kinderkulleraugen

Wenn Claudia Jung gleich zu Beginn dieses wunderschönen Schlagerklassikers aus dem Jahre 1991 vom Blau der Augen ihres kleinen Nachbarjungen mit einer zarten Reibung in ihrer Stimme dahinschmilzt, dann ist es klar, wohin die Reise im weiteren Verlauf des Liedes geht.

Sie nimmt uns mit in eine kindlich romantische Gedankenwelt, die uns daran erinnert, viel öfter die wundervollen Geschehnisse zwischen Himmel und Erde mit einem Hauch Infantilismus zu begegnen und sich den daraus ergebenden Fragestellungen unbedarft, ja fast schon meditativ, hinzugeben.

„Wo kommen die Träume her? Wie hoch ist das Himmelszelt?“

Gleich zwei Fragen, denen bestimmt jeder von uns -besonders zu nächtlicher Stunde- begegnet sein dürfte. Ob man dabei nun unter einem glitzernden Sternenhimmel in lauer Sommernacht lag oder dick verpackt der Kälte des Winters in kuscheligen Daunen trotzte.

Und vom höchsten Punkt der Welt folgt der Sprung in die Tiefe des weiten Meeres. Ein meisterlicher Kontrast, der mir persönlich Gänsehaut beschert, zumal wir alle wissen, dass unsere Ozeane und ihre Geheimnisse uns immer noch fremder sind als die Grenzen des Weltalls.

„Ist der Wind das Kind vom Sturm?“

Das ließe sich endlos fortführen. Ist jede Pfütze nicht auch irgendwie ein kleiner See? Und trotzt nicht jeder Grashalm den gleichen Elementen wie ein Baum? Und vor allem: wo kommt alles her? Die existenzielle Frage nach dem Ursprung wird auch in dem inzwischen in die 30 Jahre gekommenen und dennoch zeitlosen Titel gestellt.

Pausenlos vertreiben sich Claudia und ihr vierjähriger Nachbar die Zeit und die Stunden fliegen nur so vorbei. Manchmal vergisst man, dass das größte Abenteuer einfach nur in einer guten Konversation zwischen tief beseelten und feinfühligen Gesprächspartnern bestehen kann.

„Und vieles was er fragt, hat mir noch keiner gesagt.“

Claudia macht uns bewusst, dass wir Erwachsenen nicht allwissend sind. Wir mögen unsere Erfahrungen gemacht haben und auch ein wenig beschlagen sein. Aber manchmal stünde uns eine kindlich naive Betrachtungsweise einfach gut. Sie befreit von der hohen Verantwortung des Erwachsenenalltags, der wir uns so oft unterwerfen.

Wenn wir nicht mehr weiterwissen, dann lernen auch wir zu verstehen, dass es noch Wunder gibt – auch wenn man sie oft nicht sieht.